Custodial vs. Non-Custodial
Wie bei On-chain-Wallets gibt es auch bei Lightning die Unterscheidung zwischen custodial und non-custodial. Der Unterschied ist entscheidend für die Kontrolle über deine Mittel.
| Eigenschaft | Custodial | Non-Custodial |
|---|---|---|
| Schlüsselkontrolle | Beim Anbieter | Bei dir |
| Einrichtung | Sehr einfach | Etwas aufwändiger |
| Backup nötig | Nein (aber Risiko) | Ja (Seed Phrase) |
| Vertrauensbedarf | Hoch – Anbieter hat Zugriff | Gering – du kontrollierst |
| Geeignet für | Kleine Beträge, Einsteiger | Alle, die Kontrolle wollen |
Empfehlung: Für den Einstieg ist ein custodial Wallet akzeptabel, um Lightning auszuprobieren. Für regelmässige Nutzung und grössere Beträge lohnt sich der Umstieg auf ein non-custodial Wallet. Mehr zum Thema Selbstverwahrung findest du im Guide Self-Custody erklärt.
Wallet-Empfehlungen
Phoenix (non-custodial)
Phoenix wird von ACINQ entwickelt, einem der führenden Lightning-Implementierungsteams. Das Wallet verwaltet Zahlungskanäle automatisch im Hintergrund – du musst dich nicht um Channel-Management kümmern. Phoenix bietet eine Seed Phrase zur Sicherung und funktioniert auf iOS und Android.
- Automatisches Channel-Management
- Non-custodial mit Seed Phrase
- Einfache Bedienung trotz voller Kontrolle
- Gebühren für Channel-Eröffnung transparent ausgewiesen
Breez (non-custodial)
Breez richtet sich sowohl an Endnutzer als auch an Händler. Es bietet eine integrierte Point-of-Sale-Funktion, mit der kleine Geschäfte Lightning-Zahlungen annehmen können. Breez ist Open Source und non-custodial.
- Point-of-Sale-Modus für Händler
- Podcast-Player mit Streaming-Sats-Funktion
- Non-custodial
Wallet of Satoshi (custodial)
Wallet of Satoshi ist das wohl einfachste Lightning Wallet. Es erfordert keine Einrichtung, kein Backup und keine technischen Kenntnisse. Der Nachteil: Es ist custodial – der Anbieter verwahrt deine Mittel. Für kleine Beträge und zum Ausprobieren ist es dennoch eine Option. Einen breiteren Vergleich von mobilen Bitcoin-Wallets findest du in unserem separaten Guide.
- Extrem einfache Bedienung
- Kein Backup nötig
- Custodial – nicht für grössere Beträge geeignet
Zeus (für Node-Betreiber)
Zeus ist ein Wallet für fortgeschrittene Nutzer, die einen eigenen Lightning Node betreiben. Es verbindet sich direkt mit deinem Node und gibt dir volle Kontrolle über Kanäle, Routing und Liquidität. Zeus unterstützt LND, CLN und Eclair.
Phoenix Wallet einrichten
Die folgende Anleitung zeigt die Einrichtung am Beispiel von Phoenix Wallet. Die grundlegenden Schritte sind bei den meisten Lightning Wallets ähnlich.
1. App herunterladen
Lade Phoenix aus dem offiziellen App Store (iOS) oder Google Play Store (Android) herunter. Achte darauf, die offizielle App von ACINQ zu verwenden.
2. Wallet erstellen
Öffne die App und wähle "Neues Wallet erstellen". Phoenix generiert eine Seed Phrase (Wiederherstellungswörter), die du sicher notieren und aufbewahren musst. Diese Wörter sind der einzige Weg, dein Wallet wiederherzustellen, falls dein Gerät verloren geht.
3. Seed Phrase sichern
Schreibe die Wörter auf Papier oder besser auf eine Stahlplatte. Speichere sie niemals digital – nicht als Screenshot, nicht in einer Notiz-App, nicht in der Cloud.
4. Erste Sats empfangen
Tippe auf "Empfangen". Phoenix zeigt dir eine Lightning-Invoice (Zahlungsanfrage) als QR-Code an. Beim ersten Empfang eröffnet Phoenix automatisch einen Zahlungskanal. Dafür fällt eine einmalige Gebühr an, die transparent angezeigt wird.
5. Erste Zahlung senden
Tippe auf "Senden" und scanne den QR-Code einer Lightning-Invoice oder füge ihn ein. Bestätige den Betrag und die Zahlung wird in der Regel innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen.
Erste Zahlung senden und empfangen
Um Lightning auszuprobieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Zwischen eigenen Wallets: Installiere zwei verschiedene Lightning Wallets und sende Sats zwischen ihnen hin und her.
- Spenden: Viele Open-Source-Projekte und Content-Ersteller akzeptieren Lightning-Spenden.
- Online-Käufe: Einige Shops akzeptieren bereits Lightning-Zahlungen.
Eine Übersicht über Einsatzmöglichkeiten findest du im Guide Mit Lightning bezahlen – Wo und wie.
Lightning-Adressen (LNURL)
Klassische Lightning-Invoices sind einmalig und laufen nach einer bestimmten Zeit ab. Das ist für spontane Zahlungen unpraktisch. LNURL und Lightning-Adressen lösen dieses Problem.
Eine Lightning-Adresse sieht aus wie eine E-Mail-Adresse (z. B. name@wallet.com) und ermöglicht es, jederzeit Zahlungen zu empfangen, ohne jedes Mal eine neue Invoice erstellen zu müssen. Phoenix, Wallet of Satoshi und viele andere Wallets unterstützen Lightning-Adressen.
Hinweis: Lightning-Adressen basieren auf einem Server, der die Invoices generiert. Bei custodial Wallets übernimmt der Anbieter diese Funktion. Bei non-custodial Lösungen kann dies über den eigenen Node oder einen Dienst wie LNURL-Pay realisiert werden.
Sicherheitstipps
- Seed Phrase sichern: Notiere sie offline und bewahre sie sicher auf. Ohne Seed Phrase kein Zugriff bei Geräteverlust.
- Nur Kleinbeträge auf Lightning: Verwende Lightning für den Alltag, nicht für langfristige Verwahrung. Grössere Bestände gehören in Cold Storage.
- Offizielle Quellen nutzen: Lade Wallets nur aus den offiziellen App Stores oder direkt von der Projektwebsite herunter.
- Updates einspielen: Halte dein Wallet auf dem aktuellen Stand, um von Sicherheitsverbesserungen zu profitieren.
- Vorsicht bei custodial Wallets: Behandle ein custodial Lightning Wallet wie eine Geldbörse für den täglichen Bedarf – nicht wie einen Tresor.