Was ist Electrum?
Electrum ist eine leichtgewichtige Desktop-Wallet für Bitcoin, verfügbar für Windows, macOS und Linux. Das Projekt wurde 2011 von Thomas Voegtlin gestartet und gehört damit zu den ältesten noch aktiv entwickelten Bitcoin-Wallets. Der Quellcode ist Open Source (MIT-Lizenz) und auf GitHub öffentlich einsehbar.
Im Gegensatz zu Bitcoin Core lädt Electrum nicht die gesamte Blockchain herunter. Stattdessen verwendet die Wallet das SPV-Modell (Simplified Payment Verification) und verbindet sich mit Electrum-Servern, die die Blockchain-Daten bereitstellen. Das macht Electrum schnell und ressourcenschonend, die Wallet ist in Sekunden einsatzbereit.
SPV-Modell: Electrum lädt nicht die gesamte Blockchain herunter, sondern fragt Electrum-Server ab. Das spart Speicherplatz und Bandbreite, bedeutet aber auch, dass man einem Server vertraut, es sei denn, man betreibt einen eigenen Electrum Server.
Funktionen & Features
Coin Control
Electrum bietet Coin Control, mit dem Nutzer manuell auswählen können, welche UTXOs für eine Transaktion verwendet werden. Diese Funktion muss in den Einstellungen aktiviert werden und ist nicht standardmässig sichtbar. Labels für Adressen und Transaktionen werden unterstützt.
Multisig
Die Wallet unterstützt Multi-Signatur-Setups. Beim Erstellen einer neuen Wallet kann direkt ein Multisig-Schema gewählt werden (z.B. 2-von-3). Verschiedene Cosigner können über Seed Phrases, Hardware Wallets oder Master Public Keys eingebunden werden.
Hardware-Wallet-Support
Electrum ist kompatibel mit gängigen Hardware Wallets wie Trezor, Ledger, Coldcard und BitBox02. Die Hardware Wallet wird als Signiergerät eingebunden, während Electrum die Transaktionen vorbereitet und anzeigt.
Experimentelles Lightning
Seit Version 4.0 bietet Electrum eine experimentelle Lightning-Integration. Nutzer können Lightning-Channels öffnen und Lightning-Zahlungen senden und empfangen. Die Implementation ist eigenständig und nutzt nicht LND oder c-lightning. Da es sich um eine experimentelle Funktion handelt, sollte sie nur mit kleinen Beträgen genutzt werden.
Weitere Features
Electrum unterstützt Replace-by-Fee (RBF) zum Nachträglich-Erhöhen von Transaktionsgebühren, Child-Pays-for-Parent (CPFP), Watch-only Wallets, verschlüsselte Wallet-Dateien und den Export von Transaktionen im PSBT-Format.
Privatsphäre & Sicherheit
Electrum unterstützt die Verbindung über Tor, was die IP-Adresse des Nutzers gegenüber dem Electrum-Server verbirgt. Standardmässig verbindet sich Electrum jedoch mit öffentlichen Servern, die theoretisch sehen können, welche Adressen abgefragt werden.
Für maximale Privatsphäre sollte ein eigener Electrum Server betrieben werden (z.B. Electrs oder Fulcrum). Damit verbleiben alle Abfragen lokal und kein Dritter erfährt, welche Adressen zur eigenen Wallet gehören.
Die Wallet-Datei wird standardmässig verschlüsselt gespeichert. Ein starkes Passwort ist empfohlen, da es die Wallet-Datei auf der Festplatte schützt.
Stärken
- Bewährte Software: Seit 2011 aktiv und kontinuierlich weiterentwickelt. Electrum gehört zu den am längsten bestehenden Bitcoin-Wallets.
- Leichtgewichtig: Kein Download der gesamten Blockchain nötig. Die Wallet ist in Sekunden einsatzbereit und benötigt minimale Systemressourcen.
- Open Source: Der Quellcode ist öffentlich und wird von der Community überprüft.
- Breiter Hardware-Support: Kompatibel mit den meisten gängigen Hardware Wallets.
- Multisig: Vollständige Multisig-Unterstützung direkt in der Wallet integriert.
- Coin Control: Manuelle UTXO-Auswahl für Nutzer, die ihre Privatsphäre kontrollieren möchten.
- Lightning (experimentell): Integrierte Lightning-Funktionalität für schnelle Zahlungen mit kleinen Beträgen.
Schwächen
- Veraltetes Interface: Die Benutzeroberfläche wirkt im Vergleich zu neueren Wallets wie Sparrow veraltet. Die Bedienung ist funktional, aber nicht intuitiv.
- Phishing-Risiko: In der Vergangenheit gab es Phishing-Angriffe über gefälschte Electrum-Server, die Nutzer zum Download manipulierter Versionen verleiteten. Das offizielle Electrum ist sicher, aber man muss sicherstellen, von der richtigen Quelle herunterzuladen.
- Server-Abhängigkeit: Ohne eigenen Electrum Server verbindet sich die Wallet mit öffentlichen Servern. Das reduziert die Privatsphäre und erfordert ein gewisses Vertrauen.
- Lightning noch experimentell: Die Lightning-Implementation ist funktional, aber nicht so ausgereift wie dedizierte Lightning-Wallets.
- Nur Desktop: Es gibt keine offizielle Mobile-Version von Electrum. Ältere Android-Versionen existieren, werden aber nicht mehr aktiv weiterentwickelt.
Für wen geeignet?
Electrum eignet sich für fortgeschrittene Bitcoin-Nutzer, die eine bewährte, leichtgewichtige Desktop-Wallet suchen. Wer keinen Full Node betreiben möchte, aber trotzdem Coin Control und Multisig benötigt, findet in Electrum eine solide Lösung.
Besonders geeignet ist Electrum für Nutzer, die eine schnelle, ressourcenschonende Wallet brauchen, die sofort einsatzbereit ist. Die lange Track Record seit 2011 gibt zusätzliches Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Software.
Weniger geeignet ist Electrum für Einsteiger, die eine moderne, intuitive Oberfläche erwarten. Auch Nutzer, die maximale Privatsphäre ohne eigenen Server wünschen, sollten Alternativen wie Sparrow Wallet in Betracht ziehen.